Hast du schon mal von dem Begriff „Neuroathletik“ gehört? Nein? Dann freu dich auf einen kleinen Ausflug in ein höchst spannendes Gebiet des Trainings. Du kannst dir sicher sein, dass du in Zukunft noch einiges davon hören wirst.

Wir geben dir in diesem kleinen Artikel einen Überblick über das Thema Neuroathletik.

Neuroathletik – Was sich dahinter verbirgt:

Betrachten wir die wissenschaftlichen Grundlagen für Trainingskonzepte gibt es zwei Dinge, die wir festhalten können:

  • vieles ist schon unglaublich lange bekannt (z.B. bilden die Turnvater-Jahn-Übungen die Grundlage für das Zirkeltraining oder das Training mit dem eigenen Körpergewicht)
  • es gibt immer wieder neue Forschungsergebnisse aus anderen Disziplinen, die in neue Trainingskonzepte eingearbeitet werden (z.B. die Erkenntnisse zum Thema Faszien)

Das Prinzip hinter dem Neuroathletiktraining ist eine gesunde Mischung aus bereits bekannten Trainingsformen und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen: Das altbekannte Athletiktraining wird ergänzt durch revolutionäre Ansätze aus dem Bereich der Neurologie.

Also: Was ist nun das neuroathletische Training?

Kurz zusammengefasst können wir sagen: Ein Training deines Körpers und deiner großen Schaltzentrale, des Gehirns.

Und was ist der Grund dafür? Naja, optimale Bewegungsmuster können nur stattfinden, wenn das Gehirn hochwertige Informationen von Augen, Gleichgewichtssystem und Körper erhält und auch verarbeiten kann. Gute Nachrichten: Du kannst die Informationsaufnahme und -verarbeitung gezielt trainieren und somit deine sportliche Leistung erheblich verbessern. Das Gehirn und das Zentralnervensystem  sind die Systeme, die im Hintergrund agieren und die körperliche Leistungsfähigkeit maßgeblich bestimmen.

Nochmal ganz kurz zusammengefasst: Die Qualität der Bewegung bestimmt die Qualität und die Wirksamkeit des Trainings und die Leistungsfähigkeit im Alltag  in höchstem Maße. Und wer will nicht leistungsfähig und fit durch’s Leben gehen?

Wo kommt die Neuroathletik her?

Namensgeber für das Thema Neuroathletik in Deutschland ist Lars Lienhard, der sich auf das Gebiet spezialisiert hatte und 2014 Wegbegleiter der WM-Mannschaft war. Begründer (wenn man das so sagen kann) des Themas ist Dr. Eric Cobb. Anfang der 2000er Jahre bereits hat er in den USA ein Ausbildungskonzept geschaffen. „Z-Health“ beinhaltet die ganzheitliche Betrachtung der menschlichen Leistungsfähigkeit und der zentralen Bewegungssteuerung über das Gehirn.

Neuroathletik und das Zentralnervensystem:

Gehirn und Rückenmark bilden in deinem Körper die große Informationsverarbeitungsmaschine.

Informationen und Reize werden durch deine Sinne und deinen Körper wahrgenommen, als Daten gesammelt, interpretiert und verarbeitet. Fall nötig, wird in deinem Körper ein Prozess angestoßen, der die Reaktion auf den Reiz darstellt. Ein Beispiel: Du siehst eine Eisfläche vor dir auf dem Asphalt, du rutschst auch schon ein klein wenig. Deine Sinne verarbeiten diese Information blitzschnell und optimalerweise ist die Reaktion deines Körpers, dass du Geschwindigkeit aus der Bewegung nimmst, dich achtsamer bewegst und vorsichtig um die Eisfläche läufst.

Es kommt also in dem Fall besonders darauf an, wie dein Gehirn die Informationen verarbeitet, wie es deine Lage im Raum einschätzt und wie deine Muskeln auf den Impuls reagieren können.

Gleiches passiert mit den Informationen in deinen Körper! Gibt es bestimmte Körperregionen, die mit Schmerz reagieren, weil sie einen hohen Muskeltonus haben oder dort mal eine alte Verletzung vorlag, wird der Informationsfluss verändert: Dein Körper reagiert darauf, ganz unbewusst, mit einer angepassten Bewegung. Schnell bildest du Dysbalancen aus, ohne es zu merken. Auch das wird beim neuroathletischen Training identifiziert und nach Lösungswegen – einer Bewegung ohne Schmerzen oder einem größeren Bewegungsradius – gesucht.

Neuroathletik und die Augen:

Also – die Sinne steuern die Reaktion des Körper! Ein wesentlicher Sinn in diesem Zusammenhang ist der Sehsinn – Lars Lienhard sagt, „Wer die Augen trainiert, steigert die Leistung!“

Aus diesem Grund bekommen die Augen beim Neuroathletiktraining eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt: Weiß der Athlet, wo sich die Objekte im Raum in Relation zu seinem Körper befinden? Geben beide Augen dem Gehirn die gleiche Information? Wie gut nimmt der Athlet die Dinge wahr? Durch bestimmte Übungen (Drills) im Neuroathletiktraining wird dieser Sinn herausgefordert und trainiert. Spannend, oder? Ein Training der anderen Art, nicht minder anstrengend.

Neuroathletik und der Atem:

Unser Körper ist so angelegt, dass er a) immer auf der Suche nach Sicherheit und Lebenserhaltung ist und b) sein System ständig ausgleichen will. Eine natürliche Balance aus Aktivierung und Pause, Anspannung und Entspannung, wenn du so willst.

Das Gehirn ist Wächter darüber, Sicherheit und Kontrolle über den Körper (und die Umwelt) zu erlangen. Ein wichtiger Bestandteil ist die Atmung. Und unsere Atmung hat direkte Auswirkungen auf unser Zentralnervensystem, welches Faszien, Organe und die Muskeln beeinflusst. Faszinierend? Ja! Wenn wir also wissen, wie wir mit der Atmung arbeiten können, nehmen wir direkt Einfluss auf Prozesse in unserem Körper.

Wir können uns bewusst aktivieren oder entspannen  – und somit dem Gehirn den entsprechenden Hinweis geben, dass alles unter Kontrolle ist – Situation normal.

Fazit:

  • Das Neuroathletiktraining (oder Brain Gym bei der Sportschule Jüngling) ist ein Training, das deinen Körper und Geist ganzheitlich betrachtet und trainiert.
  • Du trainierst nicht nur klassische Athletikübungen, sondern auch ganz spezielle Augen- und Braindrills.
  • Alles hängt zusammen: Deine Bewegungsqualität (Körper und Muskeln) wird maßgeblich durch dein Gehirn und Zentralnervensystem gesteuert.
  • Es spielt keine Rolle, ob du ein leistungsorientierter Profi oder Hobbysportler bist: Diese Art des Trainings kann deine Bewegungen im Sport und im Alltag maßgeblich verbessern.
  • „Wir trainieren, um besser zu werden. Und wir werden besser, wenn wir beweglich sind!“ Ein schönes abschließendes Fazit von dem Mobility-Experten Patrick Meinart.
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